Whitepaper (2025): Europäische Technologie für sichere Bürgerservices
Zukunft der Videokommunikation im öffentlichen Sektor – Grundlagen-Whitepaper zur Videokommunikation zwischen Behörden und Bevölkerung: Ausgangslage, Vorreiterrolle der Bundesagentur für Arbeit, Anforderungen der Nutzenden und erforderliche Maßnahmen für Politik und Verwaltung.
Zusammenfassung
Die meisten Verwaltungsdienstleistungen in Deutschland werden weiterhin nicht digital angeboten. Ein Behördenanliegen dauert im Durchschnitt 2 Stunden und 21 Minuten – drei Viertel davon entfallen allein auf Hin- und Rückfahrt (57 Minuten) und Wartezeit vor Ort (48 Minuten) (Bitkom, 2024). 63 Prozent der Deutschen würden ihre Behördenangelegenheiten stattdessen gern per Videotelefonie erledigen (Civey im Auftrag der Voigtmann GmbH, Februar 2024).
Das Whitepaper zeigt am Beispiel der Bundesagentur für Arbeit – zum Erscheinungszeitpunkt über eine Million Videoberatungen, mehr als 50.000 nutzende Mitarbeitende –, dass sichere und skalierbare Videoberatung im Behördenumfeld praxiserprobt funktioniert, und benennt die Voraussetzungen für eine breite Einführung.
Zielsetzung
Das Whitepaper ordnet den Stand der Videokommunikation im öffentlichen Sektor ein: Warum bleibt die Nutzung trotz hoher Akzeptanz gering? Welche Bedenken bestehen in der Bevölkerung, und wie lassen sie sich technisch und organisatorisch entkräften? Welche Maßnahmen sind auf Ebene von Politik und Beschaffung erforderlich?
Kernaussagen
- Große Lücke zwischen Wunsch und Angebot: Nur 4 Prozent der Befragten haben bereits per Video mit einer Behörde kommuniziert; 52 Prozent geben an, dass ihre Behörden vor Ort keine Videotelefonie anbieten, 44 Prozent fehlen Informationen dazu.
- Bedenken sind konkret benennbar: Rund 22 Prozent sorgen sich jeweils um Vertraulichkeit, Datenschutz oder technische Probleme; 28 Prozent bevorzugen den persönlichen Kontakt.
- Die Bundesagentur für Arbeit ist Vorreiter: Die von der Voigtmann GmbH für die externe Beratung entwickelte Lösung „Mein Videotermin" macht Behördentermine schneller und flexibler – mit positiven Effekten auf Produktivität, Servicequalität, Arbeitgeberattraktivität und die Erreichbarkeit strukturschwacher Regionen.
- Sicherheitsarchitektur entkräftet die Skepsis: Durchgängige Verschlüsselung schützt personenbezogene Daten; das Videotranscoding verhindert, dass unerwünschte Daten oder Schadcode in den Medienstrom gelangen – ein Sicherheitsmerkmal, das Standard-Videoplattformen nicht bieten. Der Betrieb auf eigener Infrastruktur gibt der Behörde volle Datenkontrolle.
- Zugang ohne Hürden: Die Teilnahme erfordert keinen Download und kein Plug-in – ein Klick verbindet ein beliebiges Endgerät, zwei weitere genügen bis zum Gespräch; bei Bedarf können weitere Personen wie Dolmetscher oder Rechtsbeistände hinzugezogen werden.
Erwartungen und Bedürfnisse der Nutzenden
Das Whitepaper benennt fünf grundsätzliche Voraussetzungen für den Einsatz von Videotechnologien im Behördenumfeld:
- Datenschutz und Datensicherheit auf höchstem Niveau,
- skalierbare Infrastruktur und flächendeckender Internetzugang für stabile Übertragung,
- schnell verfügbare, für alle Nutzenden einfach bedienbare Angebote,
- Technologieneutralität bei den nutzbaren Endgeräten,
- medienbruchfreie Einbindung in bestehende Verwaltungssysteme.
Erforderliche Maßnahmen
Für Politik und Verwaltung leitet das Whitepaper drei Handlungsfelder ab:
- konsequente Einhaltung bestehender Datenschutz- und Datensicherheitsbestimmungen in der digitalen Behördenkommunikation,
- Nutzung öffentlicher Beschaffungsprojekte für den verstärkten Einsatz deutscher und europäischer Lösungen in der Verwaltung,
- Standardisierung von Videokommunikationslösungen im Rahmen der OZG-Umsetzung und Entwicklung eines zeitgemäßen Verwaltungsarbeitsplatzes.
Hintergrund ist die wachsende Bedeutung digitaler Souveränität: Viele Behörden setzen bislang keine oder außereuropäische Lösungen ein – mit Risiken bei datenschutzrechtlichen Bestimmungen. Die öffentliche Verwaltung hat im Beschaffungswesen eine Vorbildfunktion, auch für die Wettbewerbsfähigkeit kleiner und mittlerer Unternehmen.
Häufige Fragen
Warum nutzen so wenige Menschen Videotelefonie bei Behördengängen? MVS-WP25-01
Laut der im Whitepaper zitierten Civey-Umfrage haben nur 4 Prozent der Befragten bereits per Video mit einer Behörde kommuniziert. Die Hauptgründe liegen auf der Angebotsseite: 52 Prozent geben an, dass ihre Behörden keine Videotelefonie anbieten, 44 Prozent haben keine Informationen dazu. Hinzu kommen Bedenken zu Vertraulichkeit, Datenschutz und Technik (jeweils rund 22 Prozent) sowie die Präferenz für persönlichen Kontakt (28 Prozent).
Was macht die Lösung der Bundesagentur für Arbeit besonders sicher? MVS-WP25-02
Neben durchgängiger Verschlüsselung setzt die Plattform auf Videotranscoding: Die Medienströme werden über zentrale Server verarbeitet, sodass keine unerwünschten Daten oder Schadcode in den Medienstrom gelangen können – ein Sicherheitsmerkmal, das Standard-Videoplattformen nicht bieten. Durch den Betrieb einer eigenen IT-Infrastruktur behält die Behörde zudem die vollständige Kontrolle über ihre Daten.
Welche Maßnahmen empfiehlt das Whitepaper 2025 der Politik? MVS-WP25-03
Drei Handlungsfelder: die konsequente Einhaltung bestehender Datenschutz- und Datensicherheitsbestimmungen, die Nutzung öffentlicher Beschaffung für deutsche und europäische Lösungen sowie die Standardisierung von Videokommunikation im Rahmen der OZG-Umsetzung einschließlich eines zeitgemäßen Verwaltungsarbeitsplatzes.
Passende Dokumentationskapitel
Vertiefende Informationen zu den behandelten Themen: Strategie & Positionierung · Datenschutz & Sicherheit · Funktionsumfang · Betriebsmodelle, Integration & Schnittstellen
Glossar zu diesem Kapitel: Videotranscoding · Digitale Souveränität · OZG (Onlinezugangsgesetz) · Ende-zu-Ende-Verschlüsselung (E2EE)
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